Rewriting the Obelisk – eine Performance von Yi Dahn
Am vergangenen Sonntag verwandelte die in Seoul geborene Künstlerin Yi Dahn gemeinsam mit Freundinnen den Kasseler Königsplatz in einen offenen, partizipativen Begegnungsraum. Unter dem Titel „Rewriting the Obelisk“ lud sie Passantinnen dazu ein, den berühmten Satz vom ehemaligen documenta-Obelisken zu vervollständigen: „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“.
Was folgte, war ein emotionaler und vielstimmiger Nachmittag voller Begegnungen, Sprachen und Geschichten. Menschen schrieben ihre eigenen Ergänzungen – auf Polnisch, Vietnamesisch, Arabisch, Englisch und Deutsch. Sie erzählten von Fremdheit und Zugehörigkeit, von Migration, Hoffnung und dem Wunsch, gehört zu werden.
Die Performance wurde zu einem kollektiven Akt der Erinnerung und des Widerspruchs – gegen das Verschwinden eines Symbols, das für viele mehr war als Kunst: ein Zeichen für Solidarität, Vielfalt und Menschenrechte. Die Worte der Teilnehmenden machten deutlich, wie sehr der Obelisk als Ort des Ausdrucks und des Miteinanders vermisst wird – und wie lebendig seine Bedeutung geblieben ist.
Wir waren vor Ort, haben mit Yi Dahn und zahlreichen Besucher*innen gesprochen. Entstanden ist ein eindrucksvolles Stimmungsbild – eindringlich, poetisch und politisch zugleich. Wir wünschen spannende Erkenntnisse!