Zivilcourage im Schatten der Krise – zwei Menschen, zwei Geschichten, ein Preis
2020 brachte vieles zum Stillstand – auch die feierliche Verleihung des Werner-Bonhoff-Preises wider den §-Dschungel musste pandemiebedingt abgesagt werden. Doch was nicht ruhte, war das Engagement mutiger Menschen, die sich unbeirrt gegen bürokratische Hürden und für gesellschaftlichen Wandel einsetzten. Ein Jahr später, Anfang September 2021, konnten endlich zwei herausragende Persönlichkeiten gewürdigt werden, deren Einsatz weit über das Normale hinausgeht.
Ausgezeichnet wurden Peer Sachteleben aus Osnabrück und Holger Laudeley aus Ritterhude – zwei Menschen, die ganz unterschiedliche Wege gehen, aber eines eint: der Wille, nicht wegzuschauen.
Peer Sachteleben kämpfte jahrelang gegen gesetzliche Schlupflöcher und Verwaltungsblindheit, die Massentierhaltung begünstigen und damit systematisch Tierleid in der Landwirtschaft ermöglichen. Als Betreiber eines Schlachthofs stellte er sich gegen übliche Praxis, dokumentierte Missstände, sprach unbequeme Wahrheiten aus – und brachte damit Bewegung in ein verkrustetes System. Sein Engagement gilt dem Tierwohl, aber auch der Rechtsklarheit: Regeln müssen nicht nur gelten, sondern auch wirksam kontrolliert und durchgesetzt werden.
Holger Laudeley hingegen wurde für seinen beharrlichen Einsatz für eine bürgernahe Energiewende ausgezeichnet. Seit Jahren setzt er sich dafür ein, dass sogenannte Balkonkraftwerke – also kleine, steckfertige Solaranlagen – in Deutschland einfacher zugelassen und genutzt werden können. Was wie ein technisches Detail klingt, ist in Wahrheit eine Frage der demokratischen Teilhabe: Wer saubere Energie erzeugen will, sollte nicht an Paragraphen scheitern. Laudeley zeigt, was möglich ist, wenn man sich nicht mit „Das geht nicht“ zufriedengibt – und schafft konkrete Alternativen für mehr Klimaschutz im Alltag.
Beide Preisträger stehen exemplarisch für den Geist des Werner-Bonhoff-Preises: Sie zeigen, dass Einzelne etwas verändern können – auch gegen Widerstände, auch in Zeiten der Krise. Ihr Mut, ihre Ausdauer und ihre Fähigkeit, komplexe bürokratische Hürden nicht nur zu kritisieren, sondern praktisch zu überwinden, sind ein leuchtendes Beispiel für gelebte Verantwortung.
Diese Auszeichnung ist nicht nur ein Preis – sie ist ein Dank. Und eine Erinnerung daran, dass Fortschritt oft dort beginnt, wo jemand den Mut hat, nein zu sagen – und beharrlich nach dem ja sucht, das unsere Gesellschaft voranbringt.