Am 20. Oktober 2018 füllten rund 10.000 Menschen die Straßen Frankfurts – laut, wütend, entschlossen. Die landesweite Demonstration gegen Mietenwahnsinn, Entmietung und Verdrängung war ein starkes Signal: Die Wohnungsnot in Hessen ist längst zur sozialen Krise geworden. Hinter Transparenten und Slogans stehen echte Schicksale, Menschen, die kämpfen – für ihr Zuhause, für ein Leben in Würde.
„Wir sind hier, um zu bleiben. Wir lassen uns nicht verdrängen – nicht von hohen Mieten und nicht von Rassismus.“
Mit klaren Worten meldeten sich Violetta Bock und Juliane vom Aktionsbündnis gegen Entmietung und für gerechtes Wohnen aus Kassel zu Wort. Sie sprachen für all jene, die längst aus dem Blick der Öffentlichkeit gefallen sind – Studierende, Alleinerziehende, Rentner*innen, Geflüchtete, Erwerbslose. Menschen, die am Rand des Wohnungsmarkts stehen oder schon lange keinen Zugang mehr haben.
„Es ist nicht angemessen, Menschen zwangszuräumen. Und es ist nicht angemessen, ihnen eine Wohnung zu verweigern – wegen der Schufa oder eines ausländischen Nachnamens. Das ist Rassismus.“
Die Realität in Kassel steht dabei exemplarisch für die dramatische Entwicklung im ganzen Land. Wohnraum wird gebaut, ja – aber fast ausschließlich Eigentumswohnungen und teure Neubauten. Sozialwohnungen verschwinden. Bezahlbarer Wohnraum? Mangelware. Die Zahl der obdachlosen Menschen in Kassel stieg allein im vergangenen Jahr um 22 Prozent. In den Frauenhäusern bleiben Betroffene von Gewalt oft in gefährlichen Situationen – weil es keine Alternativen gibt. Geflüchtete leben jahrelang in Gemeinschaftsunterkünften, weil sie keine Wohnung finden.
„Wir brauchen genau diese Mietrebell*innen, die sagen: Wir nehmen das nicht hin.“
Mit dieser Haltung berichtete das Kasseler Bündnis von konkreten Fällen: dem psychischen Druck nach Eigentümerwechseln, dem Abriss von bezahlbaren Wohnungen wie in der Sophienstraße, oder den drastischen Mieterhöhungen durch Vonovia – einem Konzern, der einst durch den Ausverkauf öffentlicher Wohnungen groß wurde.
Die Demonstration war mehr als ein Protest – sie war Ausdruck einer gemeinsamen Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sich etwas ändern kann, wenn man sich zusammenschließt. Dass Mut ansteckt. Dass aus Wut Solidarität wächst.
„Und wenn wir heute hier stehen, holen wir uns auch Kraft – um zurück nach Kassel zu fahren und weiterzukämpfen.“
Seht hier einige Bilder vom Tag – und hört selbst, was Menschen bewegt, wenn sie sich gegen das System wenden, das Wohnen zur Ware macht.