Geschichten, die verbinden.

Ein Kunstprojekt über Sichtbarkeit, Würde und Verbindung.

lifelines verwebt Fotografie und textile Kunst zu einer Erzählung über Würde, Verlust und Verbundenheit.

Aus Begegnungen mit Menschen auf der Flucht entsteht ein gemeinsames Gewebe – ein Teppich aus Gesichtern und Geschichten.

Er erzählt davon, was bleibt, wenn alles andere verloren geht: die Fähigkeit, sich zu verbinden.

Wie lifelines entstand

Aushang lifelines

lifelines entstand im Oktober 2025 in Zusammenarbeit mit den Grenzdurchgangslagern Friedland, Oldenburg und Bramsche. Bewohner*innen dieser Einrichtungen wurden eingeladen, Teil des Projekts zu werden – freiwillig, anonym möglich und in ihrer Muttersprache informiert.

Dafür entstanden mehrsprachige Aushänge und Flyer – in Englisch, Französisch, Arabisch, Ukrainisch und über zehn weiteren Sprachen. Mit ihrer Zustimmung ließen sich 130 Menschen porträtieren. Jede Aufnahme wurde begleitet von einer persönlichen Antwort auf eine von vier Fragen: über Hoffnung, Erinnerung und den Neuanfang.

„Meine Liebe gibt mir Kraft – niemand sonst.“ — Behjet, Bramsche
„Ich möchte meine Geschichte mitnehmen – eine Erfahrung, die mich stärker gemacht hat.“ — Anastasiya, Friedland
„Ich möchte wie ein Mensch leben – ohne Vorurteile, ohne Blutvergießen und Krieg.“ — Mohammad, Oldenburg
„Ich hoffe, dass alle überleben.“ — Liza, Friedland
„Ich singe darüber, wie ich mich seit Beginn der Invasion jeden Tag von meinen Freunden verabschiede.“ — Artem, Friedland

Alle Teilnehmenden erhielten eine Einverständniserklärung, die die Verwendung ihrer Bilder und Texte regelte.

Dieses offene, transparente Vorgehen ist zentraler Bestandteil des künstlerischen Selbstverständnisses von lifelines: Würde vor allem anderen.

Die Lager

Ankunftszentrum Bramsche

Bramsche-Hesepe ist ein Ort des Ankommens – und des Wartens. Menschen aus vielen Ländern kommen hier an, um Sicherheit zu suchen, Orientierung zu finden oder auf eine positive Entscheidung zu hoffen. Das ehemalige Kasernengelände erzählt von Übergängen: vom Militärstandort zum Zufluchtsort, vom Provisorium zum Beginn eines neuen Lebens – oder zu seiner ungewissen Fortsetzung.
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Grenzdurchgangslager Friedland

Friedland – ein Name, der seit 1945 für Ankunft, Hoffnung und Erinnerung steht. Generationen von Menschen haben hier die Schwelle zu einem neuen Leben überschritten: Heimkehrer, Vertriebene, Spätaussiedler, Geflüchtete. Bis heute bleibt Friedland ein Ort der Übergänge – zwischen Ländern, Zeiten und Schicksalen. Aber auch die Ungewissheit gehört dazu.
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Standort Oldenburg

Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Blankenburg, zwischen alten Mauern und offenen Wegen, befindet sich heute eine Aufnahmeeinrichtung für Schutzsuchende. Hier kreuzen sich Geschichten von Flucht und Neubeginn, aber auch von Angst vor Abschiebung und dem Verlust von Sicherheit. Ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart still miteinander sprechen.
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Vom Porträt zum Gewebe

Die Porträts wurden auf Leinen gedruckt, zugeschnitten und von Frauen mit Migrationsgeschichte in Kassel zusammengenäht. Jede Naht ist Begegnung – jede Linie Erinnerung. Das entstehende Werk ist ein wachsendes Zeichen der Verbundenheit.

Über Nähe und Resonanz

Die Näharbeiten wurden filmisch dokumentiert. Aus den Bewegtbildern entstand mit den Antworten aus dem Fotoshooting ein zweites Werk – ein stilles Zeugnis über Begegnung, Respekt und Vertrauen.

Über die "Näherei"

Outlaw Kassel gGmbH setzt sich dafür ein, dass Menschen ihre Stärken entdecken und entfalten können. Jeder Mensch bringt eigene Talente, Träume und Erfahrungen mit. Wir unterstützen Kinder, Jugendliche und Erwachsene dabei, diese Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Als freier, konfessionell ungebundener Bildungsträger stehen wir für Teilhabe durch Förderung – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebenssituation. Im Rahmen des Projekt „BraVo – Beratung als Vorbereitung zur Integration“ haben wir das Kunstprojekt lifelines unterstützt.

Anne Müller, Anastasia Herbold und Laman Mirzazada sowie freiwillige Helfer*innen

Zur Webseite von Outlaw Kassel gGmbH

Danke

lifelines wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen und ihrer beteiligten Einrichtungen in Friedland, Oldenburg und Bramsche.

Ein besonderer Dank gilt den Mitarbeiter*innen und freiwilligen Helfer*innen der Outlaw Kassel gGmbH, die im Rahmen des Projekts BraVoBeratung als Vorbereitung zur Integration wertvolle Unterstützung geleistet haben.

Mein tief empfundener Dank gilt allen Teilnehmenden, Übersetzer*innen, Sozialarbeiter*innen und Näherinnen. Es war mir eine große Freude, mit euch zu arbeiten. Danke für die Herzlichkeit, die mir in allen Einrichtungen begegnet ist – für eure Geschichten, Gedanken und das Vertrauen, auch Schmerz mit mir zu teilen.

Stephan Haberzettl, 30. Oktober 2025

lifelines in der Ausstellung „Wasserteppich“

lifelines war erstmals in der Gruppenausstellung „Wasserteppich“ des Kollektivs

trustartplaces in der documenta-Stadt Kassel zu sehen. Der Bilderteppich wurde anstelle des Leinenhintergrunds, wie er bei den Fotoshootings eingesetzt wurde, angebracht. Die Besucher*innen im Hallenbad Ost konnten so in direkten Blickkontakt zu den Menschen aus den Lagern treten. Die Videoinstallation mit dem Film über die Näharbeiten und den Texten aus den vier möglichen Fragen stand nebendran.

Wasserteppich – Ausstellung

Bilder von der Ausstellung

Wie weiter?

lifelines – Orte der Menschlichkeit

Ein künstlerisches Statement zur Wahrung von Würde und Kontext

lifelines entstand aus Begegnungen mit Menschen, die ihre Lebenswege, ihre Gesichter und ihr Vertrauen in ein gemeinsames Werk eingebracht haben. Es entstanden Fotografien, die später zu einem großformatigen Bilderteppich vernäht wurden – Schicht um Schicht, Faden um Faden, von Händen, die selbst Migrationsgeschichten tragen. Der Teppich steht für Verwobenheit: für das, was Menschen verbindet – über Herkunft, Sprache und Grenzen hinweg. Jedes Porträt ist ein Lebenszeichen, jede Naht eine Spur von Nähe. So ist lifelines mehr als ein Kunstwerk. Es ist ein soziales Dokument, ein Symbol für das Dazugehören. Mit dieser Bedeutung geht Verantwortung einher. lifelines darf nicht zum dekorativen Objekt werden. Die abgebildeten Personen haben einem Moment des Vertrauens zugestimmt – diesem Vertrauen gilt der Respekt. Wo der Teppich gezeigt wird, soll Raum entstehen für Nachdenken, für Empathie, für das Bewusstsein, dass Migration Teil unserer gemeinsamen Geschichte ist. Jedes Gesicht trägt Fragen in die Welt: Wie viel Raum geben wir der Menschlichkeit? Wo begegnen wir einander wirklich? lifelines versteht sich als wanderndes Werk. Ein Gewebe der Geschichten, das fortbesteht, weil es nicht abgeschlossen ist: Jede Begegnung, jedes Gespräch, jede Ausstellung schreibt ein Stück weiter daran.

Ausstellung Wasserteppich – Teil 2

Der Bilderteppich lifelines wurde in Begegnungen geschaffen – in Gesprächen, im Nähen, im gemeinsamen Gestalten. Er fand seinen Weg durch die Einrichtungen in Friedland, Oldenburg und Bramsche, bevor er im Hallenbad Ost erstmals als Teil der Ausstellung Wasserteppich gezeigt wurde.

Nun verlässt er diesen Ort – und bleibt doch gegenwärtig: als Fine Art Print, als neuer Blick auf das, was bereits war.

lifelines Teil 2

In Teil 2 kehrt sich die Blickrichtung um. Die Besucher*innen stehen nun dort, wo zuvor die Porträtierten standen – auf der Seite derer, die aufbrechen, ankommen, hoffen. Das Licht fällt ihnen entgegen, wie ein stilles Bild für das, was Zuflucht bedeuten kann.

Doch auch das Fremde wird spürbar: Die Worte auf dem Gewebe erscheinen in Spiegelschrift, wie eine Sprache, die man noch nicht versteht. So wie für viele Menschen, die nach Deutschland kommen, unsere Buchstaben, Zeichen und Gewohnheiten zunächst undurchdringlich wirken, bleibt auch der Teppich geheimnisvoll. Er fordert auf, sich einzulassen, genauer hinzusehen, zu lesen – und verstanden zu werden.

Unten links führt eine genähte Bildertreppe hinaus – eine symbolische Verbindung zur realen Treppe des Hallenbeckens, ein Weg hinaus? Vielleicht ist er ein leiser Hinweis darauf, dass jeder Versuch des Ankommens ein Balanceakt bleibt: zwischen Licht und Schatten, zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Möglichkeit des Scheiterns. Und so wie sich im Laufe des Ankommens Zeichen, Buchstaben und Worte verwandeln, wandelt sich auch das Bild – von der Fremde zur Nähe, von der Distanz zur Zugehörigkeit. Aus den ungekannten Linien und Symbolen wächst eine Sprache, die erst gemeinsam Sinn erhält – in der Berührung von Licht und Schatten, von Gegenüber und Erkennen. Das durchscheinende Gewebe der Gesichter erinnert daran, dass Menschlichkeit dort entsteht, wo wir bereit sind, unseren Blick zu verändern.

Bilder – Teil 2

Mit jeder Station, an der lifelines gezeigt wird, füllt sich das Leinen neu – mit Blicken, Gedanken und Erinnerungen. Was als Begegnung begann, wird zu einem wachsenden Geflecht aus Resonanz und Menschlichkeit. Vielleicht spiegelt sich darin auch ein Stück unserer eigenen Geschichte: die Erfahrung, dass Verbundenheit nicht aus Besitz entsteht, sondern aus dem Teilen von Augenblicken. So wandert der Teppich – und mit ihm die Frage, was uns als Menschen zusammenhält.

lifelines wandert auch zu ihnen

Wenn Sie den lifelines-Bilderteppich und die Videoinstallation in Ihrer Einrichtung, Ausstellung oder Veranstaltung gerne zeigen möchten, um Menschen auf der Flucht mehr Sichtbarkeit zu geben, so nehmen Sie gerne Kontakt auf.

Kontaktmail schreiben lifelines Logo